Wo ein Handy ist, da ist auch ein Weg – neue Handys mit GPS-Navigation
Noch immer gibt es Menschen, die die Raumfahrt für eine überflüssige Kraftanstrengung mit noch dazu viel zu hohen Kosten halten. Aber diesen Standpunkt teilen sicher nur noch Wenige. Den Meinungsumschwung hat vor allem wohl auch die sogenannte Positionsortung durch Satelliten, die mobile Navigation, geschafft.
Jahrhunderte hat der Mensch über das Problem nachgedacht, seinen genauen Standort bei Reisen im Land oder auf See berechnen zu können. Seit die ersten Weltumsegler zu neuen Kontinenten aufbrachen, zeigte sich die Kompliziertheit dieser Aufgabe. Der wohl berühmteste aller Irrtümer in dieser Beziehung unterlief vor mehr als 400 Jahren Christoph Columbus mit seiner Verwechslung, in Indien angekommen, aber in Nordamerika gelandet zu sein. Zu dieser Zeit wurde seit der Erfindung des Teleskops und Galilei’s Himmelsbeobachtungen aus dem Stand der Gestirne der geographische Breitengrad bestimmt. Aber das allein genügt natürlich nicht, man braucht auch die Kenntnis der Längengrade und konnte sich damals nur auf Kompass, Zirkel und Winkelmaß stützen. Auch eine präzise Zeitmessung war in den Anfangsjahren der Seefahrt noch nicht möglich, ohne die gehts ja überhaupt nicht. Diese Schwierigkeiten hat die Menschheit nun weit hinter sich gelassen und für uns ist das alles nur noch Geschichte.
Seit die Satelliten in großer Zahl unseren Planeten umschwirren, ist aus diesem Problem ein fast spielerischer Umgang mit modernster Informationstechnologie geworden. Wie auch beim Internet, so wurde diese Fähigkeit der Navigation zuallererst für die militärische Nutzung entwickelt. Die gab es sogar schon in den 1930-er Jahren zur Unterstützung von Kampfflugzeugen und U-Booten, allerdings natürlich nicht satellitengestützt, sondern als Differenzsignalmessung zwischen zwei Funksendern.
Die riesigen Möglichkeiten durch die Raumfahrt und immer präzisere Meßmethoden wurden natürlich bald auch für zivile Zwecke erkannt und nutzbar gemacht. So hielt dieser gigantische Fortschritt rasch Einzug in sämtliche Logistikbereiche für die Bestimmung der präzisen Flug-, Seefahrt- und Landwegrouten. Damit war der Weg zur privaten Nutzung in den PKW’s als mobile Navigation im täglichen Straßenverkehr nicht mehr weit. 1981 zuerst als Test, aber in den Neunziger Jahren dann schon serienmäßig, wurden die ersten PKW’s mit den technischen Möglichkeiten des amerikanischen GPS-Systems ausgerüstet. Was damals noch eine teure Anschaffung bedeutete, ist heute als Massenware zumindest in der mobilen Version für beinahe jeden Autofahrer erschwinglich geworden, ja hat sogar die Fahrradfahrer und auch die Wanderer ergriffen. Mit einer so enorm hohen Innovations-Geschwindigkeit haben dies vor allem auch die dazu parallel sehr schnell stattfindende Entwicklung sowohl der mobilen Computertechnik als auch der Display-Anzeigetechniken möglich gemacht .
Was lag also näher, als die Navigation auch in das Handy zu integrieren. Damit ergab sich für die Hersteller eine größere Zielgruppe mit dann natürlich auch mehr Umsatz und für den Nutzer der Einer-Für-Alles-Effekt: das Handy wird immer mehr zum Allrounder fürs Telefonieren, Fotografieren und Navigieren genauso wie fürs Surfen, Organisieren, Musikhören, Videoansehen und und und. Weitere Möglichkeiten kommen sicher alsbald hinzu. Ach, die Zeit zeigt das Handy nebenbei ja auch noch an!
Und das Navigieren gehört wohl dann auch zu einer der nützlichsten Eigenschaften moderner Smartphones. Fast alle Handys mit GPS, die neu auf dem Markt erscheinen, haben einen A-GPS-Empfänger bereits integriert. Der ist die technisch beste Lösung fürs Handy, weil er die Koordinatenbestimmung als Doppelfunktion auch über die Telefonnetze GSM/EDGE oder UMTS aktualisieren kann. Diese Art der Wegbestimmung über das Mobilfunknetz ist allerdings mit dem Makel behaftet, etwas teuerer zu sein, vor allem auch bei zusätzlichen Roaming-Kosten im Ausland. Viele Handys bieten deshalb auch die Möglichkeit, sich nach der Abfrage einer Route offline den Weg weiterhin anzeigen zu lassen und immer nur beim Abweichen von der vorgeschlagenen Strecke eine Aktualisierung der Navigation anzufordern. Dies ist beim Wandern oder beim Radfahren sicherlich auch nur eher selten notwendig. Beim Autofahren ist es aber schon ratsam, eine Flatrate zur Datenübertragung zu nutzen. Denn die ständige Verbindung kostet durch die Datenpakete, die etwa pro Abfrage 200 Kilobyte groß sind, viel Zeit und Geld. Die Offline-Nutzung erfordert auf der anderen Seite wiederum viel Speicherplatz und damit auch eine genaue Auswahl des benötigten Kartenmaterials. Darauf ist dann bei der Anschaffung eines navigationsfähigen Handys folgerichtig stark zu achten.
Die Smartphones mit Android-, Symbian- oder Windows-Mobile-Betriebssystemen sowie auch Apple’s iPhones bieten heute eine große Auswahl von Apps in ihren Stores, die teilweise kostenlos heruntergeladen werden können, meist doch aber nur zu einem Preis von bis zu 100€ zur Verfügung stehen. Dann beinhalten sie aber auch zusätzliche Serviceangebote wie Wettervorhersagen, HD-Traffic-Staumelder oder Führer für Sehenswürdigkeiten, der sogenannten Augmented Reality.
Nachdem Google für alle Handys seine Google-Maps kostenlos nutzbar machte, das Motorola Milestone war das erste Handy dieser Art, rüstet auch Nokia seine neuen Handys gleich ab Werk kostenlos mit seiner Navigationssoftware oviMaps aus. Das Nokia E5, das Nokia C6 oder das Nokia 2710 sind nur drei Beispiele. iPhone4-Kunden der Telekom und von mobilcom-debitel steht die Nutzung der Basis-Navigations-Software von Navigon ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung mit zahlreichen Erweiterungsmöglichkeiten zu relativ moderaten Preisen. Dies macht die Handy-Navigation auch den reinen Navigationsgeräten überlegen, sie können durch die zusätzlichen Apps einfach mehr. Auch das Samsung Galaxy S, das HTC Wildfire, das SonyEricsson Xperia X10mini pro, das LG GT540 und das Blackberry Storm 2 gehören in diese Reihe. Die kostenlosen Angebote sind auf alle Fälle die besten Lösungen für Gelegenheitsfahrer oder -Wanderer, haben mit heutigem Stand aber gegenüber den Navigationsstandards mindestens aufgeholt oder sie sogar überflügelt. Die Handy-Sprachsteuerung, die seit Android2.0 systemrelevant ist, verschafft als nur ein Beispiel den Navigations-Handys einen großen Vorteil bei der Bedienung. Und die Angebote sind sehr vielfältig variierbar: Von der Anzeige über Touchscreen-Display bis zur bequemen Eingabe auf einer QWERTZ-Tastatur ist alles möglich.
Deshalb hat der anfänglich eher von Machos genutzte Spruch mehr denn je eine bedeutsame Wandlung erfahren: “Mit einem coolen Handy kommt man überall besser an!”



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